Berufsorientierung neu erleben
Voller Stolz nimmt der Klassensprecher der Klasse 5a der 16. Mittelschule der Stadt Leipzig den Pokal für die beste Klassenzeit in der Kategorie "Abfahrt" beim Seifenkistenrennen entgegen. Mit einem Seifenkistenrennen und einer Abschlusspräsentation endete das Projekt des Schuljahres 2010/2011 zur Berufsorientierung der 5. Klassen der Schule mit dem Unternehmen Heidelberg Postpress Deutschland GmbH.
Berufsorientierung heute bedeutet, aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen mit flexibler Herangehensweise und neuen Ideen Rechnung zu tragen. Die Schülerinnen und Schüler sollen Hilfestellung erhalten, im Arbeitsleben ihre persönliche Entwicklung und ihre Erwerbsbiographie in einem sich ständig ändernden Umfeld eigenverantwortlich und erfolgreich zu gestalten. Eine moderne Berufsorientierung kann sich daher nicht damit begnügen, die Jugendlichen 'nur' zu informieren, sondern sie muss umfangreiche Hilfestellung leisten, die Berufs- und Lebensplanung selbst zu gestalten und sich der Möglichkeiten der Berufswahl bewusst zu werden. "Diese Form der Berufsorientierung kann nicht - wie oft erlebt - nur im Rahmen eines Projekttages abgehandelt werden. Berufsorientierung muss langfristig, systematisch und prozessorientiert aufgebaut werden. Um dies zu realisieren, gehen wir bei Heidelberg mit unseren Kooperationsschulen neue Wege," so Thomas Kutzler, Verantwortlicher der Beruflichen Bildung am Standort Leipzig. Uwe Hempel, Schulleiter der 16. Mittelschule der Stadt Leipzig ergänzt: "Die Schulen haben sich diesen Veränderungen schon teilweise angepasst. Aber nur unter Einbeziehung aller Beteiligten, also der Eltern, der Schule, der Unternehmen und vor allem der Schülerinnen und Schülern, ist dies überhaupt möglich." Aus diesem Grund haben die 16. Mittelschule und der Standort Leipzig der Heidelberg Postpress Deutschland GmbH eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Besonderen Wert legen beide Partner auch darauf, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gezielt zu stärken sowie auch Mädchen für Technik zu begeistern.
Im Projekt Berufsorientierung erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen gemeinsam mit Auszubildenden seit dem 28. Februar 2011 in den ersten drei Wochen Zeichnungen und Pappmodelle ihrer Seifenkisten. Dies geschah in kleineren Gruppen in der Schule. Hierbei kam es nicht nur auf Kreativität, sondern auch auf Kritikfähigkeit und Teamfähigkeit an. Gemeinsam entschieden sich dann die Mitglieder der Gruppen für ein Modell, welches anschließend in den folgenden acht Wochen im Unternehmen mit den Materialien Holz und Metall umgesetzt wurde. Hierbei haben die Schüler das Klassenzimmer an einem Tag in der Woche stundenweise gegen einen Arbeitsplatz bei Heidelberg getauscht. Wirtschaft und Technik wurden so im betrieblichen Umfeld erlebbar gemacht. Der sichtbare Baufortschritt sorgte dafür, dass die Schüler mit Begeisterung an ihrer "Kiste" bauten und ganz nebenbei Grundkenntnisse unterschiedlicher Technikbereiche erlernten. Anschließend wurden alle Seifenkisten individuell durch die Gruppen gestaltet.
Am 5. Juli war es dann soweit. In drei Kategorien traten die einzelnen Seifenkisten gegeneinander und gegen die Uhr auf dem Gelände der Heidelberg Postpress Deutschland GmbH an. Neben dem Rundkurs und der Abfahrt konnten die Schüler auch einen Designpreis für die kreativste Seifenkiste gewinnen. Hierfür konnten die Mitarbeiter und Gäste der Veranstaltung mit Hilfe eines Fragebogens über die "Design-Siegerseifenkiste" abstimmen. Alle Teilnehmer hatten sichtlich Spaß, und gemeinsam mit einigen Eltern wurde die Veranstaltung bei einem kleinen Grillimbiss beendet. Neben Urkunden und den Pokalen bekamen alle Schüler eine Teilnehmermedaille.
"Bei Heidelberg haben wir schon lange die demografische Entwicklung in unserem Blickfeld. Wir sind uns sicher, dass es genug Potenzial bei den Jugendlichen gibt, um den Bedarf der Wirtschaft auch zu decken. Allerdings muss man hierfür das Interesse der Schüler zeitig wecken, und es müssen alle, auch neue Zielgruppen angesprochen werden. Die Zusammenarbeit Schule-Wirtschaft ist zur gemeinsamen Verfolgung dieses Ziels umso bedeutender. Die Lerninhalte können gut fächerverbindend in den Lehrplan eingebaut werden. So führt jeder Schüler ein Tagebuch über das, was er an diesem Tag gelernt hat", fügte Uwe Hempel hinzu. Bis zur Jahrgangsstufe zehn wird die Schule mit Heidelberg ein Konzept erstellen und umsetzen, um die Schüler in ihrem Wissens- und Erfahrungserwerb über die gesamte Schulzeit begleiten und fördern zu können. Alle Beteiligten freuen sich auf die nächsten Schritte und Projekte, um diese neuen Herausforderungen zu meistern.
Nachricht vom 12.10.2011, Autor: Beata Walter (Projektmitarbeiterin)
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